St. Petersburg – zweiter Annäherungsversuch

St. Petersburg – zweiter Annäherungsversuch

St. Petersburg – zweiter Annäherungsversuch

Es war einmal ein Zarensohn, der auszog, die Welt zu erkunden. Seine Leidenschaft? Segelschiffe. Und da es in Moskau nicht gerade viel Meer gibt, zog es ihn zur Ost- und zur Nordsee. Sein Motto? „Ich bin ein Schüler und suche einen Lehrer.“

Diese fand er in Dresden, Berlin, Hamburg, Hannover und Amsterdam. Peter, den man damals noch nicht den Grossen nannte, kehrte mit Wissen beladen in seine Hauptstadt Moskau zurück. Aber was sollte er dort. Da war nichts als die Moskwa, ein paar gelangweilte adlige Kumpanen, ein paar Bären im endlosen Wald: die Pampa eben.

Zar Peter I

1703 ergriff ihn da eine Vision. Eine Stadt, von ihm erbaut, nach dem Namen seines Schutzheiligen Simon Petrus benannt! Gesagt, getan. Er nahm in den Sümpfen der Newa Wohnsitz, liess sich eine Drei-Zimmer-Hütte aus Holz bauen und darum herum eine nette kleine Festung. Schon war Petersburg aus dem Wasser gehoben. Und der heutige Tourist badet die Folgen heute noch aus.

Festung Peter und Paul

Nun, zum Glück sind die Sümpfe der Newa, der Fontanka und der Moika inzwischen trockengelegt. Zurückgeblieben sind nur die Mücken, die Peter auszurotten vergass. Und die feindlichen schwedischen Horden wurden einfach ersetzt: Durch uns. Nicht weniger eroberungsfreudig stürmt unsere grau-weisshaarige Truppe in geschlossener Formation durch Petersburgs berühmtesten Prospekt. Und nein, ein Prospekt hat nichts mit einem Ferienkatalog zu tun, versichert uns Nikolaj, unser Reiseleiter. Und auch nichts mit einer Flusspromenade, wie die Bebbin glaubte. Weit gefehlt. Das ist nur die russische Bezeichnung für eine endlose, gerade Strasse, deren Fluchtpunkt sich am Horizont verliert. Und extra gebaut wurde, um den Meenzer von jeglicher künftigen Stadtbesichtigung für immer abzuschrecken.

Einkaufspassge in St. Petersburg

Die Bebbinnen hingegen sind begeistert. Klassische, barocke Paläste aus Marmor und Granit, rosa, lindgrün und cremefarben gestrichen säumen den Strom aus chinesischen, deutschen, japanischen und … Schweizer! Touristen.

Wie Segel schwanken die Erkennungsschilder über den wogenden Köpfen. Nr. 13, Nr. 25, … Nr. 6, Nikolaj!

Die Urangst eines jeden Pauschalreisenden findet ihren Höhepunkt in der Metro. Ja nicht die Gruppe verlieren! Wir quetschen uns an Metalldetektoren vorbei durch antiquierte Drehtüren hindurch. Die Treppe entrollt sich 80 Meter in die Tiefe. Der Meenzer wagt ein Foto, nicht sein bestes, die Bebbi-Mama klammert sich an den Handlauf und wünscht sich, Nikolaj hätte uns alle angeseilt. Die Bebbin hat nur gerade einen kurzen Blick auf die interessante Beleuchtung übrig. Ihr einziges Ziel: ihre beiden Schäfchen zusammenzuhalten.

80m abwärts zur Metro

Die Metro kommt, die Türen zischen auf und wieder zu. Wir drei sind drin. An der nächsten Haltestelle stellen wir fest. Die Hälfte der Truppe fehlt! Aber Nikolaj bleibt entspannt. Die nächste Metro kommt bestimmt. Ganz wie ein Basler Trämmli.

Eine Metrostation in St. Petersburg

Wieder an der frischen Luft atmen wir auf. Nikolaj zählt die Schäfchen; alle da. Los geht’s also zu den Bauwerken, die Russland innerstes Wesen ausmachen: Die Zwiebeltürme. Aber davon gleich im nächsten Teil.

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