Das Wildlife von Nova Scotia

Das Wildlife von Nova Scotia

Hirsche, Koyoten, Bären: Die Erwartungen an das hiesige Wildlife sind gross. Wird die Wildnis dem Reiseführer gerecht?

Liebe Leserin, lieber Leser

Will man dem wilden Osten Kanadas auf die Spur kommen, gibt es nur eins: Nationalparks. Und so einer ist der Kejimkujik National Park. Mit seinen 381 qkm Wälder, Seen und Flüsse sollte da doch das eine Reh, der eine Bär oder vielleicht ein Frosch herausspringen.
Es gibt viele Möglichkeiten, der Wildnis des Kejimkujik zu begegnen. Man kann mit dem Auto von Parkplatz zu Parkplatz fahren, still im Auto sitzen und dem seltsamen Zirpen in den Bäumen (oder ist es eine surrende Starkstromleitung?), fremdem Vogelgezwitscher und verdächtig raschelndem Unterholz lauschen. Man kann darauf warten, dass die auf gelben Schildern erwähnten Schildkröten in ihrem eigenen Tempo über die Strasse schlendern, aber das Warten und das Schlendern könnten etwas Zeit kosten.
Ist man gerne zu Fuss unterwegs, kann man sich auf hoffentlich ausgeschilderten Wegen durch den Wald wagen. Mit oder ohne Bärenglöckchen. Dieselben Wege kann man auch mit dem Fahrrad befahren, sofern man eines dabei hat, denn verliehen werden sie nicht.
Es gibt aber eine sehr viel spannendere Weise, in die Wildnis einzutauchen: Kanufahren. Selber. Ganz allein. Und wo bitte? Die Dame in Wildnis-Grün im Visitor Center gratuliert uns zu unserem Vorhaben. „Bei Jakes Landing finden Sie alles was Sie brauchen. Kanu, Paddel, Schwimmwesten und den Fluss.
Fluss? Bebbi schreckt zurück. Meenzer ist begeistert.

„Aber wir sind totale Anfänger“, begehrt die Bebbin auf. Die Dame winkt ab. „Eben. Der Fluss ist weniger windig, hat kaum Strömung, die Chance, Tiere zu sehen ist viel besser als auf dem See, und sollten Sie ins Wasser fallen, ist das Ufer nah. Das leuchtet selbst der Bebbin ein. Das nahe Ufer gibt den Ausschlag.
Unser Kanu leuchtet rot, eine gute Signalfarbe im Fall der Fälle. Wir bekommen ein langes und ein kurzes Paddel, die Schwimmwesten und einen Eimer. „Um Wasser abzuschöpfen“, meint die dynamische Angestellte der Anlegestelle. Sehr beruhigend! Aber so schlimm kann es gar nicht sein. Vor uns steigt ein Paar in sein Kanu, hinter uns wartet eine Familie mit kleinen Kindern. Wenn die das schaffen, dann schaffen wir es auch. Sofern wir das Kanu nicht schon an Ort und Stelle unfreiwillig verlassen. Denn Bebbi braucht zwei Anläufe. Oh Wunder: es schaukelt! Und als der Meenzer sich hinzugesellt, schaukelt es gleich noch ein bisschen mehr.
„Hör auf zu schaukeln!“
„Paddle mal richtig!“
Das Eintauchen in die Wildnis geht nicht ganz spannungsfrei vonstatten. Aber, was wir Euch nicht vorenthalten wollen: Der Fluss ist nicht der reissende Bergbach aus den Rocky Mountains; er ist ein Labyrinth von stillen Wasserarmen in  brütender Hitze,  einen Moment lang wähnen wir uns in Florida mit lauernden Aligatoren unter der spiegelglatten Fläche. Rechts und links ragen hohe Gräser auf und dahinter liegt das rettende, nicht ganz nahe und nicht ganz so gut erreichbare Ufer.

Wir schlenkern den Fluss hinauf, ziehen an Seerosen vorbei, über Algen hinweg und an dem einen oder anderen Kanu vorüber. Von tierischer Wildnis keine Spur.


Da! Am Fuss der hohen Gräser bewegt sich verräterisch ein Blatt und auf einmal schiesst etwas hervor. Nein. Kein Krokodil. Ein Biber! So schnell wie der Biber durch das Wasser jettet, kann die Bebbin, behindert durch Paddel, Zoom und andere Unzulänglichkeiten nicht knipsen. Was vom Biber übrigbleibt, ist eine glitzernde Spur über den dunklen Wasserspiegel.

Der Turbobiber

Die Stimmung ist wieder mal gespannt. Zu hören ist nur noch das Plätschern der Paddeln, das Zirpen in den Bäumen, das Surren einer verirrten Mücke, aber wir haben uns mit einer lokalen Insektenabwehr eingesprayt und die Mücke surrt davon. Zu sehen ist nichts. Nichts Tierisches. Nach 1 ½ Stunden, fallen dem Bebbi die Arme fast ab und der Meenzer weiss nicht mehr wohin mit den Beinen im schmalen Kahn. Es geht zurück. „Aber die Landschaft ist immerhin so schön“, seufzt die Bebbin und der Meenzer brummt zustimmend. Was soll man anderes sagen?

Da! Es bewegt sich nicht. Es leuchtet. Auf einem dicken toten Ast am Ufer sonnt sich eine Schildkröte. In perfekter Teamarbeit schleichen wir uns an das Tier heran, das die Gefahr wittert. Schon wieder diese Touristen, der Park ist nicht mehr wie früher. Die Schildkröte macht sich breit, reckt den Kopf drohend in die Höhe und zeigt uns ihren gestreiften Hals und die rote Brust und wirft sich in Pose.


Wie wir später auf einer Tafel lesen: Sie wird gestreifte Schnapp-Schildkröte genannt und ist ganz schön bissig. Gut, dass wir nicht versucht haben, sie zu streicheln.
Ach wie wild ist Nova Scotia!

2 Gedanken zu „Das Wildlife von Nova Scotia

  1. Der Meenzer sieht ja schon echt gut erholt aus.

    Und es scheint, als hätte er seinen „Waschbärbauch“ nicht durch den Zoll bekommen… 😉

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