Alarm!

Alarm!

Der Ausrutscher erweist sich nicht als klein. In unserem engen Pferdestall unter dem Dach schlafen wir schon tief und fest, als ein ohrenbetäubender Ton uns aus dem Schlaf riss. Die Alarmglocke! Augen reibend, das Herz in der Hose, sitzen wir im Bett und horchen. Türen gehen auf, Worte fliegen durch den Gang, im Pyjama wagt die Bebbin einen Blick in den Flur. Die netten Berner stehen da, voll angezogen. Während der Meenzer noch überlegt, ob sich das Aufstehen denn wirklich lohnt, hat sich die Bebbin voll angezogen, mit Handtasche zu den Leuten im Gang gesellt. Wir testen wagemutig den Notausgang unseres Stocks. Eine Tür, die außen keinen Griff hat, eine Terrasse. Das wars. Keine Leiter, keine Treppe. Nichts. Wer doch springen will, landet auf … Betonboden. Wir verzichten, schleichen die Treppe in die Eingangshalle hinunter und treffen auf Gegenverkehr. Andere Gäste kommen aus einem Erkundungsgang zurück. Sie haben nichts entdeckt, weder Rauch noch Feuer. Nach und nach schließen sich die Türen wieder, die Bebbin steigt wieder ins Pyjama und ins Bett. 

«Sagt ich doch», brummelt der Meenzer und zieht die Decke hoch. Nur der Wind heult noch ums Haus. 

«Passiert manchmal», sagt die Hotelangestellte am nächsten Morgen und zuckt mit den Schultern.

Wie gesagt: Dem Pferde-Hotel trauert zumindest die Bebbin nicht nach.

Nach dieser unruhigen Nacht machen wir uns auf den Weg nach Westen zum Snaefell-Nationalpark und schaffen es Schlagloch um Schlagloch bis Stykkisholmur. Das Städtchen leuchtet bunt in der plötzlich auftauchenden Sonne, Zeit für einen kleinen Spaziergang. Mit Jacke, Mütze, Handschuhen gewappnet, wagen wir vom Hafen aus den kurzatmigen Aufstieg auf den Basalthügel, der den Hafen vor allen Unwettern schützt und von einem winzigen roten Leuchtturm geziert wird. Der Wind bläst uns schier davon, oben am Leuchtturm frieren der Bebbin die Finger in den Handschuhen ein, während der Meenzer auf der Suche nach einem Geo-Cache zwischen Gräsern und Steinen aus den unwissenden Augen der knipsenden Touristen verschwindet.

Wieder auf dem Parkplatz stellen wir erstaunt fest. Der Basalthügel hat den Wind abgestellt. Zufrieden sitzen wir in der Sonne vor einer Frittenbude und essen köstlichen Fish & Chips. Danach gibt’s Kultur. Zwei Kirchen nennt Stykkisholmur sein Eigen. Eine hübsche, traditionelle aus Holz und eine überdimensionierte in Schiffform aus den 90er Jahren, deren Weiß selbst die Sonne blenden muss.

Nach der Kultur meldet sich wieder die Natur mit einem weiteren Hügel, weit außerhalb der Stadt. Der Helga-Hügel hat nichts mit einer Helga zu tun. Heilig soll der Berg sein, trotz seiner bescheidenen 78 Meter. Wir besteigen ihn – wie die Tradition es verlangt – ohne zurückzublicken und ohne zu sprechen, was aufgrund der Steilheit des Aufstiegs auch kein großes Opfer abverlangt. Oben angelangt, blicken wir andächtig nach Osten und formulieren still unsere drei Wünsche. Die Aussicht auf die zahllosen Inseln des Breidafjördur ist herrlich, jene auf die Bergketten des Hinterlands ebenso.

Die kurze Anstrengung hat sich gelohnt. Nun bleibt nur noch Eines. Die Robben von Ytri Tunga.

Was wir antreffen, ist zunächst ein Bus voller Touristen. Die Robben haben nicht auf uns gewartet und haben sich gezeitengerecht zu den Felsen draußen im Meer zurückgezogen. Mit Adlerblick scannen wir die blendende Weite und da! Es bewegt sich etwas. Und dort! Die Robben sind geortet. Die Kamera holt sie für eine Sekunde in unsere Welt, auch wenn das Bild nichts wird, wir haben den runden Kopf, das Näschen erkannt, die Flosse, die sich in die Höhe reckt. Der Tag ist gerettet.

Das Guest House ist das hässlichste von dreien, die sich am Fuß eines furchterregenden schwarzen Berges ducken. Wenn der hoffentlich nur ruhig bleibt, solange wir in unserem Schlafcontainer hausen, dann sind wir zufrieden. Zufrieden sind wir auch mit einem Gläschen an der Sonne, einem guten Abendessen und einer anregenden Unterhaltung mit zwei pensionierten Aargauern aus Deutschland. Sachen gibt’s.

Heute Nacht wird es in unseren Containern garantiert keinen Feueralarm geben.

Ein Gedanke zu „Alarm!

  1. Zum Glück habt Ihr die Fluchttür, die außen keinen Griff hat, nicht hinter Euch geschlossen. Insgesamt wohl ein ziemlich erschreckender Sicherheitsstandard.

    An dieser Stelle sage ich Euch nochmals vielen Dank für die schönen Bilder von Eurer Islandreise, auf die Ihr uns ja quasi alle mitnehmt.
    In Rheinhessen haben wir bis einschließlich nächsten Mittwoch Tagestemperaturen zwischen 33 und 35 °C und Nachttemperaturen zwischen 19 und 21 °C.
    Da verschafft das Bilder-Anschauen schon ein wenig Abkühlung.
    Grüße,
    Gerald

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