Von Grands Crus und anderen edlen Tropfen

Von Grands Crus und anderen edlen Tropfen

 

Liebe Leserin, lieber Leser

Endlich sind wir dort angekommen, wo wir insgeheim die ganze Zeit hinwollten. Im Lavaux. Vor uns erstrecken sich die Weinberge soweit die Linse reicht. Hinter uns auch.

Wie Ihr Euch vorstellen könnt, hat die Bebbin nicht vor, den Tag auf dem Balkon zu verbringen – mit grandioser Sicht auf See und Berge mit oder ohne Wein. Der Meenzer hat auch eingesehen, dass ein einfaches Programm vonnöten ist. Deshalb rufen wir das Projekt „Weinwandern im Lavaux“ ins Leben.

Es ist ganz einfach. Wir wandern von unserer Unterkunft ganz oben in Chexbres unweit von Montreux, nach Lutry, unweit von Lausanne. 11.2 km. Ein Klacks. 3 Stunden, sagt der Vorschlag im Internet. Wir hätten es wissen müssen, dass das Internet und wir in Sachen Wandern den Tropfen nicht im gleichen Fass haben.

Irgendwo weit unten am Hang beginnt der berühmte Wanderweg durch die Weinberge. Doch mit oder ohne UNESCO: Der Hang ist mörderisch steil. Es führt kein direkter Weg nach unten. Und so landen wir zuerst im malerischen St. Saphorin, dessen Wein die Bebbin mehrmals aus verschiedenen Kellern degustieren wird. Den Gewinner verraten wir natürlich später…

Eine Stunde später sind wir gerade erst im Nachbarort angelangt und geniessen im Vinorama eine pauschale Mittagspause mit Film und Weindegustation. Der St. Saphorin ist nicht ganz auf der Höhe, der Dezaley aber… Wir zögern. 40 Franken die Flasche für den Grand Cru, 2020. Ein entsprechendes Jubiläum ist bei uns jedenfalls nicht in Sicht und die Flaschen können wir schwer mitnehmen. Wir haben an uns schon genug zu tragen. Wir vertagen den Kauf.

Mit 30 cl Wein und einem winzigen Stück Brot im Magen setzen wir unseren Weg durch die Reben fort. Es geht mal hoch, mal runter und der Meenzer nutzt jede Aussicht, um unseren Fortschritt zu dokumentieren. Oder zu behindern, wie die Bebbin meint.

Wir sind noch nicht mal aus dem Gebiet von Rivaz hinaus, da muss die Bebbin unbedingt einen weiteren Dezaley probieren. Leider kein Grand Cru.

So gestärkt nimmt die Wanderung ihren Lauf und dank informativer Tafeln bilden wir uns weiter. Fast das ganze Lavaux besteht aus Chasselas-Trauben. Doch ist der Boden hier nicht derselbe wie dort. Einmal trockener, mineralischer, einmal lehmiger. Ein Dezaley ist daher nicht gleich ein Dezaley, wie die Bebbin ganz laienhaft bereits herausgefunden hat. Und dann kommt noch die Herstellung hinzu. Jedem Winzer, jedem Winzerkeller sein Geheimnis.

Ein Geheimnis ist auch, wie sich einer freiwillig auf diese ganz besondere Art Weinberg-Achterbahn wagen kann. Aber vor der Alternative, die Kisten auf dem eigenen Buckel hochzuschleppen, könnte auch der kräftigste Winzer kapitulieren.

Wir schaffen es über Epesses und Riex bis nach Cully, einem Ort vor Lutry. Wir haben bereits vier Stunden hinter uns und sind immer noch nicht am Ziel. Aber genug ist genug. Wir stranden am Bahnhof von Cully, dürfen mit den SBB weit über unseren Ausgangspunkt bis nach Vevey zurückfahren und dort 20 Minuten auf den train des vignes warten, der uns – auf einer Extra-Bummelstrecke – nach Chexbres zurückbringt. Und von dort geht es nur noch 15 Minuten bergaufwärts zum Hotel zurück…

Ein einfacher und ganz gemütlicher Tag. Gut, dass das Hotelrestant geschlossen hat, und wir abends wieder ins Dorf hinuntersteigen dürfen. Bewegung ist das halbe Leben,  meint die Bebbin. Auch wenn der Meenzer das nicht immer einsehen will.

Ach: Und die Auflösung des St-Saphorin-Rätsels findet Ihr im nächsten Beitrag…

Eure Bebbin und Meenzer

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