Schiff ahoi!

Schiff ahoi!

Liebe Leserin, lieber Leser

Wir haben uns eine Auszeit verdient. Findet zumindest der Meenzer, auch wenn die Bebbin die Stirn sorgenvoll runzelt. Was um alles in der Welt soll sie denn über einen Tag ohne Zahnradbahnen, ohne Weinberge berichten? Das wird eine Herausforderung.

Die Auszeit findet in Lausanne statt, wo wir schnurstracks an den Ausflugspier fahren und uns auf einem alten Seedampfer  einschiffen. 1. Klasse natürlich und mit Mittagessen.

Drei Stunden Fahrt und kein Schritt zuviel. Das liegt nun vor uns, zusammen mit einer ganz neuen Sicht auf das Lavaux und unsere gestrige Wanderung. Der Meenzer ist entspannt, die Bebbin leicht rastlos. Das Schiff hornt, schwankt und setzt sich schwerfällig in Bewegung. Ebenso schwerfällig erscheint die Bedienung. Der Kellner hat nur zwei Hände und offenbar wäre eine Tablett-Spende fällig. Wir beobachten verwundert, wie er mit einem Brotkorb vorbeigeht, später mit einer Flasche… Gut, wir haben ja drei Stunden Zeit.

Während also das Essen auf sich warten lässt, jagt die Bebbin den Meenzer aus seiner Komfortzone und aufs offene Deck hinaus, sobald die Weinberge in Sicht sind. Was wir am vorigen Tag bereits zu Fuss und mit dem Auto erfahren haben, machen wir nochmals in seiner ganzen Länge. Bis nach Chillon. Diesmal ganz chillig.

Es ist als würde man ein altes Fotoalbum durchblättern. Hier, die hollywoodreife Reklame des Dezaley. Dort das Vinorama, an den Felsen angeschmiegt, grau in grau.

„Weisst du noch, wie steil der Aufstieg nach der Degustation war?“, fragt die Bebbin nicht ganz arglos. Der Meenzer kontert: „Für dich oder für mich?“

Ja, ja, schon gut.

Weil das Essen bereits kalt ist, als es endlich aus den Niederungen der 2. Klasse hochkommt, springt die Bebbin auch mal als Fotografin ein. Die Bohnen an Tomatensauce aus der Dose lassen sie ebenfalls kalt. Dann lieber ein fachkundiger Blick auf St. Saphorin mit seinem berühmten Kirchturm.

Und einer auf unser Hotel, wie ein Adlerhorst auf seinem Berg aus Wein.

Da die fotografische Ausbeute nicht ganz so grossartig ist, wagt sich die Bebbin in die Tiefen des Schiffs. Maschinen. Riesige Kolben, lang wie ein Mensch. Noch ruhen sie, das Schiff hat gerade angelegt. Dann ein Hornen und langsam setzen sie sich in Bewegung, drehen sich schneller und schneller und geben den Takt vor für das Schaufelrad.

So wie die Bebbin den Takt für das weitere Programm vorgibt. Zimmerbezug und danach Sightseeing in der Altstadt von Lausanne – um die unnötig einverleibten Kalorien wieder loszuwerden. Das Besondere am Hauptort ihres Heimatkantons ist: Die Stadt liegt am Hang. 

 

Und wie es sich für eine rechte Kathedrale gehört: Sie steht ganz oben.

Unzählige Treppen führen uns in die Altstadt hinunter. Die Vorstellung, den ganzen Hang wieder hochlaufen zu müssen, lässt uns unten auf einen Caféstuhl kollabieren. Es ist ohnehin Apéritif-Zeit.

Und hier kommt das wahre Highlight des Tages. Für die Bebbin. Ein St. Saphorin, weich wie Samt, goldig wie der Chasselas, kein bisschen sauer, kein bisschen trocken. Die Bebbin ist begeistert. Und sie musste nach Lausanne fahren, um einen Wein zu finden, der ein paar wenige Kilometer vom Hotel in Chexbres eingekellert wurde.  Dieser Tropfen „Les Déserts“ ist der absolute Gewinner unter den St. Saphorin. Der Meenzer bevorzugt ein Boxer-Bier. 25 cl für satte sieben Franken.

Übrigens: Manchmal hat das Lavaux fast ein Flair von Toscana. Findet Ihr nicht auch?

Eure Bebbin und Meenzer

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