
Auszeit
Liebe Leserin, lieber Leser
Die Bebbin spürt es bis in die Knochen. Eine Auszeit ist fällig. Auch beim Meenzer stehen die Zeichen auf Pause. Dringend.
Aber dieses Jahr steht uns was Grosses bevor. Und nein, wir werden es noch nicht verraten. Deshalb muss die Auszeit klitzeklein ausfallen. Und günstig. Camping zum Beispiel. Die Bebbin hätte die jahrelange organisatorische Erfahrung und der Meenzer das technische Verständnis. Und um die Eisheiligen herum sind die Campings garantiert noch nicht überfüllt.
Einziger Haken: Wir mögen Hotels. Mit Badezimmern, die diesen Namen verdienen. Mit Nachbarn, die man nicht beim Duschen antrifft. Mit Platz, um aneinander vorbeizukommen.
Das mit dem Camping verschieben wir also auf später.
Die Bebbin fängt an zu träumen. Südfrankreich. Die herrlichen Farben der Provence. Das Essen. Entspannung zwischen Zedern und Lavendel. Das wäre mal eine Auszeit. Eine echte. Sie setzt zum Sprechen an.
«Eine Städtereise?», meint da der Meenzer.
«Wie?» Er liebt Städte so wie die Bebbin die Pampa. «Eine Stadt? Echt?» Schon das beschauliche Basel hat für ihn Grossstadt-Flair. «Wie viele Einwohner darf die Stadt haben?»
«42?»
Das ist ein Informatiker-Witz, den die Bebbin mittlerweile kennt. Sie merkt: Ein bisschen mehr Einfühlungsvermögen tut not. Sie schlürft ihren Kaffee. «Und wohin denn?», erkundigt sie sich. Sie ist offen für alles. Madrid. Stockholm. Prag. Oder warum nicht wieder Valencia?
«Nach Deutschland, zum Beispiel.»
Exotischer geht’s kaum. Die Bebbin nimmt noch einen Schluck, um die Bedenkzeit zu verlängern. Keine Zimtschnecken. Keine schöne blaue Moldau. Nicht einmal ein knuspriges Baguette. Sie gibt sich einen Ruck. Deutschland hat viel zu bieten. Sie erinnert sich. Berlin, voller Lebendigkeit und Fantasie. München – Kunst und Kultur pur und die Biergärten … Mainz mit seinem herrlichen Dom und Hamburgs pulsierende Speicherstadt. Es gibt noch so viel zu sehen.
«Wie wär’s mit Erfurt?», fügt der Meenzer hinzu.
«Oder Weil am Rhein?», fragt sie spitz.
Er schweigt. Die Verhandlungen drohen zu versanden.
Die Bebbin geht in sich. Selbst schuld. Sie selbst hatte von den Fotos ihrer Freundin geschwärmt, deren Weihnachtsbummel-Aufnahmen die Besucherzahlen in dieser Stadt markant erhöhen könnten.
Der Meenzer spürt, dass die Raumtemperatur merklich gesunken ist und dies nichts mit dem Januarloch zu tun hat. Aber so schnell gibt er sich nicht geschlagen. «Und danach Dresden», wagt er sich mutig vor.
Die Bebbin kehrt in die Wirklichkeit zurück. Die Semperoper. Die Frauenkirche in ihrer neuen alten Pracht. Üppige Architektur, geflügelte Babys, Gold wohin das Auge reicht. Eine echte Freude für jedes Schweizer Herz – wenn es nur im eigenen Tresor liegen würde.
Warum nicht? Und einmal im Leben ganz woanders Geburtstag feiern. Jenseits der heimischen Grenzen. Mit Sauerbraten und Knödel und Bier. Gut, an diesem Festessen lässt sich eventuell noch feilen.
Sie hebt ihre Kaffeetasse hoch und lächelt. «Einverstanden.»
Der Meenzer grinst. Andere reden von Deals. Er schliesst sie ab.
Im Mai ist es soweit. Lasst Euch wieder vom ganz persönlichen Blick Eurer Lieblings-Reiseblogger auf das ehemalige «Elbflorenz» überraschen. Pummelige Wesen, die im Gegensatz zur Bebbin noch nie was von Kalorien gehört haben. Residenzen, die uns den Freiraum geben würden, den wir in unserem Reihenhäuschen noch nicht haben. Eine Stadt an einem Fluss, die mal nicht Basel heißt.
Wer weiss: Vielleicht zieht es Euch auch mal dahin?

2 Kommentare zu „Auszeit“
Ja fein, ich bin bereit euch hier von meinem Sofa aus zu begleiten und freue mich sehr. ❤️
Moin ihr Lieben,
3 Seelen, ein Gedanke: AUSZEIT!
Meine findet allerdings in Hohwacht statt, mit Nele und Fahrrad. Wir werden uns etwas frischen Wind um die Nase wehen lassen.
Wir wünschen euch viel Spaß 😊.