Wie zu Hause

Wie zu Hause

Liebe Leserin, lieber Leser

Ihr werdet es kaum glauben: 585 Km von zu Hause entfernt – und es ist wie zu Hause.

Nein, wir sind noch nicht in Dresden. Wir sprechen von unserem Zwischenstopp. 

„Von dieser Stadt habe ich noch nie was gehört“, sagt der Meenzer, als wir uns in unserem Comfort-Zimmer niederlassen, das gefühlt die Ausmasse einer Zwei-Zimmer-Wohnung hat.

Ausser, dass er sie vorgeschlagen hatte, denkt die Bebbin für sich.

Wir sind in Erfurt und ehrlich: Es ist quasi Liebe auf den ersten Blick.

Der fällt nämlich vom Hotelzimmer aus direkt auf Erfurts berühmteste Sehenswürdigkeit. Vermutlich die kürzeste und älteste Einkaufsstrasse Europas.

Eine Brücke. Und nein – Calatrava ist nicht bis hierher vorgedrungen, denn die sogenannte Krämerbrücke wurde 1325 errichtet. Und es ist ein Glück, dass die winzigen Geschäfte sonntags geschlossen haben, denn da hätte die Bebbin ohne mit der Wimper zu zucken, ihre künftige Rente verprassen können.

Aber es gibt mehr zu sehen als eine Brücke.

Seltsame Kreaturen, zum Beispiel.  Der Meenzer klärt die Bebbin auf. „Eine Figur aus einer Kindersendung. Der lief auf dem Kinderkanal zwischen 21 und 6 Uhr in einer Dauerschleife. Seine Lieblingsbeschäftigung: Videos der langweiligsten Eisenbahnstrecken sammeln. Sein Lieblingsgericht: Mehlsuppe.“

„Der soll ein Bebbi sein? Niemals!“ Und hatte der Meenzer nachts nichts anderes zu tun? Schlafen zum Beispiel.

Die Bebbin sucht weiter nach Blickfängen, wie diese liebevoll dekorierte Hausfassade. Der Erfurter Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Doch zurück zum Wesentlichen. Die Bebbin fühlt sich hier schlagartig wie zu Hause. Cafés alle paar Meter, Eisdielen an jeder Ecke. Für den Meenzer ein Dom, der einen Domplatz beherrscht, auf dem man halb Mainz für ein Konzert oder Open Air Kino versammeln könnte.

Innen erinnert er die Bebbin an das Basler Münster. Nur unnötig vollgestellt. Und als die Bebbin sich diesem göttlichen Glanz nähern will, um ein gutes Bild zu machen, wird sie zurückgepfiffen. Gottesdienst.

Dann eben nicht. Doch, als eine Tram heransaust, ist es um die Bebbin geschehen. 

„Wie zu Hause! Das wäre der perfekte Ort, wenn wir Rentner sind. Was meinst du?“, schwärmt sie mit Blick auf die Wiener Feinbäckerei an der Ecke.

Der Meenzer hält sich dezent zurück. Auch wenn das Thüringer Schwarzbier ausgezeichnet schmeckt, so ist es nicht mit dem Wein aus Edgars Sommerloch zu vergleichen. Und dieses liegt Basel näher als diese farbenfrohe Stadt, die bis vor Kurzem nicht auf seiner Landkarte stand. 

Die Bebbin seufzt. Es war ein Versuch. Aber für uns beide Rheinknieler fehlt ohnehin der richtige Fluss.

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