Treppen zum Himmel
Da es in Tokio vermutlich nicht genügend Tempel und Schreine für den kulturhungrigen Touristen gibt, geht es am folgenden Tag zur Besichtigung einer grossartigen Tempelanlage. Vor dieser Reise dachte die Bebbin naiv, dass sie hauptsächlich stille Schreine, Bonsai, Karpfenteiche und moosbewachsene steinerne Laternen sehen würde. Aber weit gefehlt. Obwohl die Japaner als Shintoisten geboren werden, sind viele davon auch Buddhisten, was sich in prächtigen Bauten niedergeschlagen hat. Sie haben zuhause meistens sowohl einen shintoistischen, als auch einen buddhistischen Hausaltar. Das Leben wird im Shintoismus gefeiert, das Ableben im Buddhismus begleitet.

Es gibt die Meinung, dass man sich das Glück erarbeiten darf. Zum Beispiel mit Treppensteigen. Und was macht man nicht für eine gute Portion Glück? Also nehmen wir diese Hürde und steigen zunächst zur Grabanlage eines berühmten Shoguns, welche von seinem Enkel erbaut wurde. Wer hätte nicht auch gern einen solchen Enkel? Er gab wirklich alles.


Hier finden wir wieder die Geschichte von den drei Affen. Aber es geht nicht einfach ums nicht hören, sehen oder sprechen. Diese Affen sind Teil einer Darstellung des ganzen Lebenszyklus. Wir kommen unwissend zur Welt, entdecken sie, entwickeln uns und gehen irgendwann wieder.

.

Ganz so selbstlos war der Enkel auch wieder nicht und hat sich selbst auch verewigt. Und ehrlich gesagt: Diese Anlage gefällt der Bebbin viel besser. Der Enkel hätte ihr auch gefallen. Bescheiden, mit Sinn für Stille und Harmonie. Auch wenn gewisse furchteinflössende Götter auch hier nicht fehlen durften.
Und um sicher zu gehen, dass die Götter ihr auf der weiteren Reise nicht abgeneigt sind, hat sich die Bebbin einen Glücksbringer gekauft. Wäre es ein Hund oder gar ein Affe gewesen, hätte sie gezögert, aber da es eine Katze war… Die Katze findet sich auch über diesem Tor. Aber das ist nur die halbe Geschichte, denn auf der Rückseite des Tors finden sich zwei fröhliche Spatzen: Katze und Vögel zusammen – Ein Symbol des Friedens. Aber zurück zum Glücksbringer. Der kann der Bebbin zumindest beim Treppensteigen sicher behilflich sein, denn unter uns gesagt: In drei Tagen hat die Bebbin etwa so viele Treppenstufen bewältigt wie zuhause in einem Jahr.


Und demnächst berichten wir über unseren Geisha-Abend und unsere Weiterfahrt in die japanischen Berge.
Ein Kommentar zu „Treppen zum Himmel“
Kunststück, sind bei diesem Treppengesteige alle Japaner so schlank.