Japanische Lebensweise
Wir haben vom Onsen berichtet, der im täglichen Leben so zentral ist, wie die Kaffeepause für uns Erwerbstätige. Ein richtiges Ritual. Und dieses ist strikter geregelt als eine Kaffeedegustation bei Nespresso.
Der Onsen der japanischen Haushalte heisst Ofuro und ist anders eingerichtet als unsere Badezimmer. Man kann den ganzen Raum gefahrlos unter Wasser setzen. Die Dusche befindet sich nämlich neben der Badewanne. Und die Wanne ist viel kürzer, denn darin liegt man nicht. Man sitzt.
Es wird jeden Abend gebadet. Aber wer jetzt denkt, was für eine Verschwendung, irrt sich gewaltig. Denn das Badewasser reicht für die ganze Familie. Wie bitte? Die Bebbin runzelt die Stirn. Aber sie ist auf dem Holzweg.
Denn ein richtiger Ofuro geht so: Während des Abendessens lässt man per Knopfdruck – Japaner lieben ja Knöpfe und die Bebbin mittlerweile auch – das Badewasser auf wohlige 40°C ein. Dann geht der erste ins Badezimmer und duscht gründlich in der separaten Dusche. Wenn er oder sie blitzblank ist, dann steigt er oder sie für fünf bis zehn Minuten in die Wanne. Und tut nichts. Nicht lesen, schon gar nicht mit dem nicht vorhandenen Schaum spielen. Nichts.
Zehn Minuten nichts tun? Für die Bebbin wäre das eine Herausforderung. Dann steigt man aus, trocknet sich ab und das nächste Familienmitglied kommt dran. Kühlt das Wasser ab, wird es automatisch aufgeheizt. Ist die Prozedur beendet, wird das Wasser von der Waschmaschine abgezapft und verwendet. Schliesslich es ist immer noch sauberer als die Wäsche.
Leider hatten unsere Hotelzimmer kein Ofuro. Aber das Internet bietet alles, was man braucht und auch ein passendes Bild.

Was uns auf der Strasse auffällt, ist, dass viele Frauen auch bei bestem Wetter mit einem Regenschirm herumlaufen. Ehrlich gesagt, hat sich die Bebbin diesen Sommer auch überlegt, mangels spitzenbesetzten Sonnenschirms mit ihrem Regenschirm aus dem Haus zu gehen.

Nicht nur das Verhalten im eigenen Ofuro ist geregelt. Auch der Verkehr, ob auf Rädern oder zu Fuss ist es. Hier wird links gefahren und der Meenzer ist glücklich, nicht selbst fahren zu müssen, auch wenn der Sitz im Bus eher japanische Ausmasse hat. Denn bis man die japanischen Strassenschilder entziffert hätte, wäre wahlweise die Abzweigung oder die Baustelle längst vorüber und wäre man aus Versehen vielleicht im Paradies gelandet.
Aber man fährt nicht nur links. Man geht auch links, was den Touristen in Kyoto offenbar nicht begebracht wurde. Schade, denn Geradlinigkeit hat was für sich. Und weil die Strassen in den Städten schmal sind und und die Parkplätze auch, macht es Sinn, statt eines völlig überflüssigen SUV, sich dieses schnuckelige Wägelchen anzuschaffen. Es hat mehr Platz, als man denkt und darf überraschenderweise auch auf die Autobahn.

Etwas, woran wir uns nicht so recht gewöhnen können, ist die Esskultur. Egal ob ein teures Wagyu – das exklusivste und am meisten marmorierte Rindfleisch der Welt – oder Sushi: Alles isst man an einer Theke, nebeneinandersitzend wie Hühner auf der Stange. Und wer sich als Alkohol trinkender Ausländer outen will, bekommt: Bier. Aber manchmal ist die Theke ganz schön exotisch und bereit für den Weihnachtsschmuck. Ach so: Weihnachten wird hier natürlich nicht gefeiert, dafür aber Silvester.


Was zur hiesigen Kultur gehört wie die Schuhe vor dem Tempel auszuziehen, sind Wünsche. Das ist eine ernsthafte Angelegenheit. Nach der rituellen Waschung kann man sich Zettelchen oder kleine Holztafeln kaufen und seinen Wunsch an dafür vorgesehenen Schnüren oder Balken aufhängen. Ein gelungenes Examen, ein gesundes Kind oder auch nur Frieden für die ganze Welt. Den Wünschen sind keine Grenzen gesetzt und da die Japaner von Natur aus danach streben, dem Nächsten Gutes zu tun, werden ihre Wünsche sicher erhört.

Wir drei verzichten dieses Mal aufs Wünschen. Es ist nicht sicher, ob die hiesigen Götter genug Deutsch verstehen und ob sie für all die Touristen noch Kapazitäten haben. Und vermutlich könnten sie uns nicht so mir nichts, dir nichts ein schönes Stück Greyerzer hervorzaubern. Und das wäre eigentlich unser einziger Wunsch – neben einem guten Kaffee.
Also lieber nichts wünschen, was die Götter verärgern und uns Unheil bringen könnte.

Deshalb wenden wir uns wieder mehr dem Machbaren – oder Trinkbaren – zu und besuchen in Takayama einen Sake-Laden, wo man für läppische 500 Yen, d. h. 3.25 Euro von zehn verschiedenen Flaschen probieren kann. Und keiner kontrolliert… Und wir sagen euch: nach dem sechsten Gläschen ist man schon ziemlich heiter.
Aber wir drei waren uns einig: Keine dieser Flaschen schmeckte uns.

Dafür war die Architektur in dieser kleinen Stadt speziell und hat der Bebbin gut gefallen.

Doch nächstens geht es wieder einmal um eine uns jetzt vertraute Architektur. Ihr habt es erraten: Tempel.
Ein Kommentar zu „Japanische Lebensweise“
C‘est tellement divertissant, ce que tu nous écris!! De l‘eau de la baignoire qu‘on utilise pour la lessive – par les tablées en rang de poules – les petits billets remplis de toutes sortes de voeux – en passant par la dégustation d‘innombrables sakés- et les dieux que l’on risque de rendre fou furieux… un autre monde , absolument ahurissant pour nous pauvres pieds-sur-terre 😃😳. ..