Bye bye Land der aufgehenden Sonne
Ihr Lieben
Oder wie die Japaner sagen: Sayōnara. Denn es ist wieder einmal Zeit, Abschied zu nehmen. Von einem Land, das für uns trotz der vielen Eindrücke kaum zu fassen ist. Wie kann man Naturgötter verehren und gleichzeitig die Natur nach menschlichen Vorstellungen formen? Wie schafft man es, zwei Religionen so zu verbinden, dass die Grenzen beinahe verwischt werden? Wie fühlt es sich an, morgens moderne Technologien voranzutreiben und abends Wünsche an das Wunschgestell aufzuhängen?
Wir wissen es nicht. Aber wir haben festgestellt: Es ist möglich. Und das ist vielleicht die einzige Erkenntnis, die wir nach diesem viel zu kurzen Aufenthalt in diesem Land mitbringen können.
Lassen wir also lieber unsere eigenen Highlights in Bildern sprechen.
In Hiroshima steigen wir in den Zug nach Osaka, wo wir nach einer letzten Übernachtung den Rückflug antreten werden. Wir rasen mit dem Shinkansen mit 300 Sachen durch die Nacht. Die Meinungen in der Gruppe sind geteilt. Die Bebbin ist von den breiten Sitzen, drei davon auf jeder Seite des Ganges, und von der Beinfreiheit begeistert. Endlich Platz für den Rucksack. Auch die elegante Form des Zuges überzeugt sie. Ganz besonders seine Nase.
Andere finden die Sitze hart, die Flugzeugbestuhlung ungesellig. Dennoch ist es für uns alle ein unvergessliches Erlebnis. Nach der rumpelnden Strassenbahn aus dem gefühlt vorletzten Jahrhundert ist der Shinkansen wie eine 1. Klasse-Fahrt ins Paradies.

In Osaka fahren wir ein letztes Mal mit der U-Bahn, aber da die Stadt nur 2.75 Millionen Einwohner hat, ist das für uns jetzt ein Kinderspiel. Wir beherrschen den Ticketkauf, das Anstehen an den Türen, das Reinquetschen und rechtzeitig wieder Herausquetschen zur Perfektion.
Ein letzter Spaziergang durch den neusten Stadtteil zeigt uns die Möglichkeiten, die eine Stadtentwicklung so in sich birgt, wenn man das will – und vermutlich das nötige Kleingeld dazu hat.
Stellt euch vor, oben auf dem Roche-Turm, oder wahlweise auf einem der zahlreichen Hochhäuser Basels – wobei der Begriff „Hochhaus+ jetzt sehr zu relativieren ist – würden sich solche Oasen der Ruhe befinden, ein bisschen wie moderne Zen-Gärten. Wäre das nicht toll? Oder ein Gemüsegarten auf dem Dach des Spiegelhofs, einem Komplex mit ganz viel Potenzial für die Förderung der grünen Lunge Basels.



Und jetzt werdet ihr sicher fragen: Was hat uns am besten gefallen. Was am wenigsten?
Wir haben so viele Eindrücke von diesem Land gesammelt, dass es gar nicht so leicht ist, diese Frage zu beantworten. Die Freundin der Bebbin ist von der Vielfalt in Japan begeistert. Tempel und Schreine mitten in pulsierenden Metropolen.
Ein Meer von Leuchtreklamen, neuerdings in 3D, man könnte dieses flauschige Wesen beinahe berühren – wenn es sich nicht ohnehin in sehr luftiger Höhe befinden würde.

Was sie weniger mochte? Den eklatanten Mangel an Käse am Frühstücksbuffet. Und dem pflichtet die Bebbin absolut bei. Deshalb haben sie und der Meenzer vorsorglich ein Käsefondue nach der Rückkehr geplant. Für die Freundin war die Tatsache, dass das Wort „Vegetarier/in“ in diesem Land nicht bekannt ist, eine Herausforderung. Sie musste aber nicht hungern und war offen für seltsame Gerichte, wie eine Pizza auf japanische Art. Das waren die Bebbin und der Meenzer auch, aber ehrlich gesagt: Eine Pizza Diavolo schmeckt besser. Dafür gibt es in diesem Land des Fisches ganz viel Fleisch. Und das war für den Meenzer zumindest in Sachen Ernährung ein bisschen Paradies auf Erden.

Weniger paradiesisch waren die Menschenmengen. Wer den Basler Morgestraich schon einmal erlebt hat, glaubt vielleicht, Menschenmassen zu kennen. Weit gefehlt. Knapp kratzte der Meenzer an einem totalen Albtraum vorbei und die Erinnerung daran lässt ihn und die Bebbin wieder erschauern: Die Bahn ist voll. Kaum Platz für eine Haarnadel. Aber die Gruppe muss rein. Als Ganzes. Wir drücken, schieben, noch sind nicht alle drin und schon kommt die warnende Mozartmelodie. Die Türen! Alle schaffen es – der Meenzer aber… Die Bebbin schreit, mit letzter Kraft schiebt er sich rein. Die Türen schliessen sich. Mensch, war das knapp.
Was der Meenzer aber schätzte, war der gegenseitige Respekt. Egal, ob CEO von Mazda oder der Laubwischer im Zen-Garten: Jeder Mensch trägt zum Wohlergehen der Gesellschaft bei. Das gefällt der Bebbin auch. Klingt sehr demokratisch. Aber gleichzeitig sind wir froh, dass wir nicht wie die dortigen Erwerbstätigen mit der Firma verheiratet sind oder regelmässige Gesundheits- und Konditionstests absolvieren müssen. Ja, ihr habt richtig gelesen. Da wären etliche von uns wohl unten durch. Ehrlich gesagt, sind wir noch ganz froh, dass es bei uns sowas wie Privatleben gibt. Kaum ein Chef, der erwartet, dass man nach Arbeitsschluss – dieser Zeitpunkt ist nicht genau festgelegt – mit ihm Karaoke singen geht oder schlimmer noch, ihn in den Onsen begleitet.
Was der Meenzer ganz sicher mehr geschätzt hat als seine Begleiterinnen, war das japanische Essen. Mit Verwunderung haben die Bebbin und ihre Freundin beim Frühstück auf seinen Teller geblickt. Miso-Suppe, kalte Salate aus undefinierbarem, auf jeden Fall saurem Gemüse, Fleischspiesschen, Bohnen aller Art, sauer eingelegte Früchte… Ehrlich: Da mussten wir weibliche Wesen öfter passen. Besonders beeindruckt haben den Meenzer der Bahnhof von Kyoto und die Wolkenkratzer, in denen sich Himmel und Erde spiegeln. Was ihm an den Tempeln etwas fehlte, war eine zumindest minimale Inneneinrichtung. Eine Sitzgelegenheit für erschöpfte Touristen zum Beispiel. Unter uns gesagt: Die prächtigen Fassaden hat aber auch er ausführlich dokumentiert und es ist nicht sicher, dass die Bebbin mehr Fotos nachweisen kann als er.

Und die Bebbin?
Das Fleisch war traumhaft gut, aber vom Reis hat sie für die nächsten sechs Monate genug.
War ihr besonders gut gefallen haben, sind die Schreine. Ein einfaches Eingangstor zur Geisterwelt, Torii genannt. bestehend aus zwei Querbalken und zwei Säulen. Am besten mit gezackten Papieren, um die bösen Geister fernzuhalten. Und moosbewachsene Laternen, die vielleicht den Weg zu den Geistern beleuchten sollen?


Auch sie mag alles, was glänzt, wie dieses Pavillon, das sich ein mächtiger Shogun 1397 bauen liess und ein verrückter Mönch 1950 anzündete. Aber natürlich wurde er exakt nachgebaut. Inklusiv Vergoldung.

Auch für die Burgen hat sich die Bebbin begeistert. Die Krähenburg kennt ihr schon. Die Burg des weissen Reihers besticht durch ihre einzigartige Lage. Gefühlte Tausend Treppen führen zu ihr hoch, aber wir sind es ja gewohnt. Innen ist… nichts. Vermutlich sind die Matten, in die sich die Krieger zum Schlafen wickelten, inzwischen vermodert. Und da man vor 400 Jahren noch so gelenkig war, dass man weder Stuhl noch Tisch brauchte, gibt es auch kein Mobiliar. Bei diesen leiterähnlichen Innentreppen – und das noch auf Socken – hätte sich ohnehin keine Umzugsfirma finden lassen.
Aber von aussen sieht die Burg sehr uneinnehmbar aus und ist auf jeden Fall Wert, von der Bebbin und den Millionen anderen Touristen zumindest digital verewigt zu werden.

Schrein oder Tempel? Bis zum Schluss war die Bebbin verwirrt. Denn wenn wir von Japan nur Eines mitnehmen wollten, dann dies: Keine andere Gesellschaft hat zwei Religionen so gekonnt miteinander verknüpft, dass man gleichzeitig die unsichtbaren Naturgötter des Shintoismus und Buddha verehren kann. Beim Schrein Wünsche an einem Holzgestell aufhängen und danach im Tempel Horoskope kaufen kann. Und wenn einem das Horoskop nicht gefällt, dann wird es draussen aufgehängt und zurückgelassen. So bleibt das Schlechte nicht an einem kleben.

Wir erinnern uns an das Mädchen mit den Kranichen.

Nicht zu vergessen die Begegnung mit echten Geishas.
Und wir sind uns nicht sicher, ob wir uns vor diesem Gott fürchten sollen.


Und die Landschaft?
Nun, die ist während der langen Busfahrten an uns vorbeigeflogen. Reisfelder. Wald und sogar Reben. Ja, obwohl es zum Leidwesen der Bebbin und der Freundin in den wenigsten Hotels eine Bar gab und die einzige Alkoholquelle Bier oder Sake ist, wird tatsächlich Wein angebaut. Die Bebbin vermutet, dass sich aber die japanischen Toiletten, übrigens mit beheizter WC-Brille, kein Witz, noch vor dem japanischen Wein in Europa durchsetzen könnten.



Wir hätten noch so Vieles zu erzählen. Doch irgendwann hat auch die schönste Reise ein Ende. Vielleicht kehrt die Freundin nochmals dorthin zurück, um mehr von den Geishas zu erfahren oder einen badenden Affen in echt zu sehen. Vielleicht kommt Japan zu uns, nicht nur als Auto oder Sushi, sondern zum Beispiel in Form japanischer Toiletten. Wer weiss?
Und weil so Vieles im Leben noch verborgen bleiben muss, verabschieden wir drei uns von euch mit diesem letzten Bild, einem Tor zur Geisterwelt. Wir hoffen, dass ihr Freude daran hattet, uns in dieses ausserordentliche Land zu begleiten und wünschen ihm, dass seine Sonne nie untergeht.
Eure Bebbin und Meenzer

6 Kommentare zu „Bye bye Land der aufgehenden Sonne“
schön wars ich danke☺️❤️
Danke!
Gute Heimreise!
Die Reise mit euch war wie ein Traum, ein Flug in andere Sphären, völlig irreal…ein Blick durch das Tor zur Geisterwelt… und man erwartet förmlich, dass jeden Moment ein freundlicher oder auch bedrohlicher Gott aus diesem stillen Wasser aufsteigt …Also lieber brav sein, links gehen und die Schuhe ausziehen!
Danke, dass wir mitkommen durften💖
Ihr Lieben,
herzlichen Dank für die erneute Möglichkeit zur Mitreise. Wie immer wurde „en gros & en detail“ alles amüsant beschrieben. Einiges wusste man, Anderes war neu und Manches wenig vorstellbar. Mittlerweile genießen wir die Abenteuer lieber vom heimischen Sofa aus.
Wir wünschen euch eine entspannte Rückreise.
Liebe Grüße
Danke, es hat immer wieder Spass gemacht, die Berichte zu lesen. Sie waren lehrreich, amüsant…kurz: unterhaltsam.
Bis bald
Sehr schön, immer wieder wunderbar unterhalbsam zu lesen. Vielen Dank!