Frühere und neuere Zeiten

Frühere und neuere Zeiten

Eigentlich hatten wir alle drei keine grosse Lust auf diesen Teil des Reiseprogramms. Aber wie das mit organisierten Reisen so ist: Es war alles oder nichts.

Eigentlich wären wir mit einem friedlichen Teehaus im Grünen, wo der Meenzer in einem kleinen Restaurant unzählige Schälchen von japanischen Köstlichkeiten hätte geniesen können, ganz glücklich gewesen.

Aber was sein muss, muss sein. So kamen wir nach Hiroshima.

Und nein, es besteht keine Verstrahlungsgefahr mehr. Denn erstens explodierte die Bombe in 600 Metern Höhe und danach kam ein willkommener Taifun, der alles, was nicht mehr niet- und nagelfest war weit ins Japanische Meer verwehte. 

Heute bleibt nur die Erinnerung an diese furchtbare Zeit. Eine Gedenkstätte in einem – von den Millionen von Touristen abgesehen – stillen Park mit einem vermutlich ewigen Feuer. Denn er wird erst erlöschen, wenn auf der Welt Frieden herrscht, was möglicherweise erst in einer anderen Zeitrechnung erfolgen wird.

Da die heutige Zeit nicht gerade vielversprechend erscheint und ein dringender Bedarf nach einem ernsthaften Appell besteht, steigen wir alle nacheinander zur Friedensglocke hoch und lassen den tiefen und weitreichenden Gong ertönen. Vielleicht schafft er es bis zu den Göttern, die auch mal nach dem Rechten sehen könnten.

 

Als Zeichen der Hoffnung findet ihr auch dieses berührende Mahnmal. Es sieht bunt aus, beinahe fröhlich. Es sind Abertausende von Origami-Kranichen. Wenn man Tausende davon faltet, dann lebt man. Vielleicht ewig. Ein dreizehnjähriges Mädchen schaffte es damals, ganz Japan zum Kraniche-Falten zu bewegen. 

Ob die 60 Kraniche, die das Schwesterherz der Bebbin zum runden Geburtstag gefaltet hatte und die immer noch bei ihr von der Decke hängen, auch genügen? Die Bebbin meint ja. Es steckt so viel Liebe drin wie in Tausend Kranichen.

Wir schliessen den Besuch von Hiroschima mit einem friedlichen Picknick im Park.

Ihr werdet mit uns einig sein. Es braucht jetzt ein bisschen Aufheiterung. Deshalb nehmen wir eine uralte und für Mobilitätseingeschränkte absolut unbrauchbare Strassenbahn und fahren ans Meer. Ok, Meer ist viel gesagt, denn der Ort liegt in einer tiefen Bucht und dieses Stück Meer hat eine täuschende Ähnlichkeit mit dem Zürichsee. Und dort finden wir … einen Tempel.

Es kommt direkt ein Strandurlaubfeeling auf. Die Touristen wälzen sich eisschleckend  den Sandstrand entlang, Es herrscht eine lockere Ferienatmosphäre. Wer will, kann sich noch einen Schrein anschauen, was die Freundin der Bebbin auch tut.

Einen Moment erwägen die Bebbin und der Meenzer, sich herumkutschieren zu lassen. Aber nein, auch ein Rikschafahrer braucht eine Pause von seinem täglichen Marathonlauf.

Doch schon naht das Ende unserer Reise. Lasst uns den Shinkansen nehmen und zu unserem letzten Reiseziel fahren. Osaka. Weiter vom alten Japan könnte diese Stadt nicht sein. Einkaufsparadiese, in denen hunderte von Wohnungen Platz hätten. Spiegelblanke Fussböden, makellose Glasfassaden, in denen sie sich gegenseitig spiegeln. Aber mehr davon im nächsten Beitrag.

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