Richtung Alpen
Ihr habt richtig gelesen. Es gibt in Japan eine ganze Reihe Berge, davon einige 3000er. Doch den Begriff „Alpen“ prägte … nein, kein Schweizer, leider, sondern ein Brite, der von Alpen vermutlich genauso viel verstand wie die Bebbin von der Schafzucht. Die Berge erschienen ihm felsig, mächtig und waren im Winter schneebedeckt, und schon war 1878 der Begriff „Japanische Alpen“ entstanden.
Richtig bekannt wurde er aber erst durch den britischen Missionaren und begeisterten Bergsteiger Walter Weston, der den Japaniern das Bergsteigen erst näherbrachte. Denn bis dahin sahen sie keinen Grund, ihre Onsen zu verlassen und sich so etwas seltsamem wie einen Felsen hochzukraxeln zu widmen. Zudem war gar nicht sicher, ob die Berggötter, Göttinen scheint es in Japan keine zu geben, damit überhaupt einverstanden gewesen wären, Denn dort hausten sie, ähnlich wie die norwegischen Trolle. Und wer mag es schon, wenn jemand mit dem Eispickel Löcher in sein Haus schlägt? Die Bebbin hätte volles Verständnis dafür gehabt, wenn die Götter mit ihren Essstäbchen auf die Hausfriedensbrecher losgegangen wären.
Leider erlaubte der Reiseplan keinen Abstecher zum Japanischen Matterhorn, was die Bebbin sehr bedauert.

Ein bisschen heimatliches Gefühl kommt bei der Bebbin dennoch auf, wenn sie diese japanischen Chalets sieht . Wie ihre eigene Behausung sind die Häuser hier mehrheitlich aus Holz gebaut, denn Bäume gibt es hier genug. Zudem könnte es bei einem Erdbeben lebensrettender sein, einen Holzbalken auf den Kopf zu bekommen statt einer Betondecke.

Ihr habt es bestimmt bemerkt. Was am Fuss der Japanischen Alpen wächst, ist… Reis. Felder ohne Ende belegen die engen Täler.

Und wenn es keine Reisfelder sind, dann sind es Obstbäume. Und ihr werdet es kaum glauben, aber ein Apfel allein reicht gefühlt schon für einen ganzen Apfelkuchen. Und alles gentechnisch gesehen einwandfrei. Und wenn man es lieber bonsaimässig hat, dann kann man das auch haben. Da diese Äpfel so schneewittchenrot aussehen, kann die Bebbin nicht widerstehen. Aber so einfach ist es gar nicht, an einen einzelnen Apfel zu kommen. Denn es ist auf dem Markt wie damals in Italien. Es herrscht zwar kein Mangel an Waren, dafür aber an Rückgeld. Und wie die Bebbin gleich herausfindet, ist ihr Kleingeld auch nicht so klein. Kurz der Apfel kostet 50 Yen, also etwa 0.025 Franken. Also nichts. Aber dieses Nichts soll man lieber genau haben, was die Bebbin nicht hat. Dafür hat sie ganze 100 Yen und streckt sie freundlich entgegen. Sie können den Rest behalten, versucht sie der alten Frau hinter dem Tisch klarzumachen.
Grosser Fehler. Ihr dürft drei Mal raten, was passiert.
Genau. Die Frau findet eine echt japanische Lösung und die Bebbin zieht reichlich beschenkt von dannen. Mit ganzen zwei Äpfeln.


Und jetzt kommt, was die Bebbin betrifft, der absolute Höhepunkt dieser Reise. Die Burg von Matsumoto. Genauso hatte sich die Bebbin Japan vorgestellt. Vermutlich so, wie sich die Japaner die Schweiz vorstellen: Das Matterhorn in Basel, Schnee im Tessin, Kühe im Stadtpark und Schokolade statt Wasser.
Die Burg selbst ist nicht mehr erhalten. Was wir aber hier bewundern und zwar nicht wenig, ist der beste erhaltene Festungsturm Japans, aus dem 16. Jahrhundert. Und man stelle es sich vor: Das innere der Festung besteht immer noch aus dem Originalholz. Und deshalb – o Wunder – bleiben die Schuhe draussen. Aber ehrlich: Die Bebbin schafft es nicht bis nach oben, denn die Treppe ist mit einer Neigungn von 61° mehr eine Leiter und scheinbar wurde schon mal ein Gast auf einer Trage rausgetragen. Trotz guter Versicherung mag sie also – von den genauso halsbrecherischen Eingangsstufen abgesehen – keine Experimente wagen.
Aber lassen wir doch den Eindruck wirken.

Nächstes Mal geht es um Affen, Geisterbahnen und die weiteren Eigenheiten der japanischen Lebensweise.
Ein Kommentar zu „Richtung Alpen“
❤️❤️😉🙏🤣😂 in Bildern gesprochen…